Feministisches Manifest

Das Patriarchat ist eine zeitlich begrenzte Epoche

Es wird immer wieder behauptet, dass das Patriarchat seit Anbeginn der Zeiten existiert und sich aus dem Recht des Stärkeren, das auch in der Natur herrscht, herleitet. Wäre dies der Fall, so wären Elefanten oder Wale die Herrscher der Welt.

Die Existenz eines Patriarchats in der menschlichen Gesellschaft lässt sich erst seit 1750 vor Christus im Codex Hammurabi wissenschaftlich nachweisen. Frühere Funde belegen, dass die menschliche Gesellschaft davor vorwiegend aus matriarchalen Kulturen und Hochkulturen bestand. Das sind Gesellschaften, in denen sich das Gemeineigentum in Frauenhand befand und zum Wohl aller eingesetzt wurde.

Das Patriarchat ist eine auf Krieg, Gewalt und vor allem auf der Unterwerfung und Ausbeutung von Frauen beruhende Gesellschaftsordnung, die mittlerweile die Welt beherrscht und das menschliche Leben auf der Erde bedroht. Dieses ist nicht so sehr von Naturkatastrophen, sondern in erster Linie durch die rücksichtslose patriarchale Ausbeutung gefährdet, die zunehmend schlimmere Katastrophen verursacht.

Wir Feministinnen wollen es nicht zulassen, dass das Patriarchat unsere Welt vernichtet!

Der Feminismus ist die Theorie und die Praxis der Befreiung der Frau. Frauen können sich nur durch den Sturz des Patriarchats befreien!

Die wesentlichen Elemente des Feminismus sind:


1.   Die Bewahrung und der Schutz der Natur und der Respekt vor allem Lebendigen. Die Natur ist unsere Lebensgrundlage und gibt genug Wasser und Nahrungsmittel für alle Lebewesen auf dieser Erde. Voraussetzung dafür ist die weltweite gerechte Verteilung aller Mittel und die selbstbestimmte Kontrolle der Frauen über ihre Fortpflanzung.

2.    Aus dem Respekt vor allem Lebendigen folgt das Recht der Frauen auf körperliche Unversehrtheit sowie Selbstbestimmung in Bezug auf Sexualität, Schwangerschaft und die Wahl der Lebensweise, gleichgültig ob Frauen allein, mit Partnerinnen oder Partnern, mit Kindern oder ohne Kinder leben.

3.    Die gleichwertige Vielfalt aller Kulturen und Völker, die sich gegenseitig und die Gleichberechtigung der Geschlechter respektieren. Die Charta der Menschenrechte ist Maßstab und Leitlinie für eine feministische Lebensweise. Würden die Menschenrechte respektiert und weltweit - auch für Frauen - durchgesetzt, dann hätte die Menschheit gute Überlebenschancen. Es gibt nicht nur eine Wahrheit, eine Religion und einen Weg zur Lebensbewältigung, sondern unendlich viele. Deshalb lehnen wir Feministinnen Fundamentalismen und patriarchalische Machtapparate ab.

4.    Ablehnung von Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung, sowie die damit verbundene Verrohung der Menschen. Daher fordern wir die Abschaffung der Rüstungsindustrie und der Armeen. Wir wollen gewaltfreie Konfliktregelungen auf diplomatischem und demokratischem Wege. Wir verlangen, dass die Rechte von Frauen, Schwachen und Minderheiten durchgesetzt und geschützt werden.

5.   Die gleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern, sowie das individuelle Recht auf Existenzsicherung. Dabei steht das Recht auf existenzsichernde Erwerbsarbeit im Vordergrund. Menschen ohne existenzsicherndes Einkommen sollen ein Grundeinkommen erhalten, das ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.

6.   Vollständige Veränderung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung in ein matriarchales Wirtschaftssystem. Statt Profitmaximierung steht hier das Wohl aller Menschen im Mittelpunkt. Anstelle von Konkurrenz soll es Kooperation geben. Statt künstliche Knappheit zu erzeugen, müssen gesellschaftlich notwendige Produkte und Dienstleistungen bereitgestellt werden.

7.    Politische und ökonomische Teilhabe von Frauen gemäß ihrem Bevölkerungsanteil auf allen Entscheidungsebenen und in allen gesellschaftlichen Bereichen.

 

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