1. Wie erklärt sich der Name Ihrer Partei und wie
identifizieren Sie sich
persönlich mit diesem Namen?
Der Name unserer Partei erklärt sich damit, dass wir eine Partei sind,
die die Interessen von Frauen in den Mittelpunkt ihrer Politik stellt.
Wir sind der Überzeugung, dass die bestehende Gesellschaftsordnung aus
der Sicht von Frauen neu gestaltet werden muss. Davon versprechen wir
uns eine vernünftigere, am Leben und an den Bedürfnissen alller
Menschen orientierte Herangehensweise an sämtliche politische Fragen.
Ich persönlich bin Feministin und setze mich daher für die Belange
von Frauen ein.
2. Was hat Sie persönlich motiviert, politisch aktiv zu
werden?
Ich persönlich finde es empörend, dass nach mehr als 50 Jahren
Gleichberechtigungsartikel im Grundgesetz die Gleichberechtigung noch
nicht annähernd erreicht ist und Frauen nach wie vor auf allen Ebenen
der Macht nicht entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil vertreten sind.
Ich bin der überzeugung, dass Demokratie erst dann verwirklicht worden
ist, wenn Frauen überall zu mindestens 52 % an der Macht teilhaben.
3. Spendenskandale, Wirtschaftskriege, Korruption...
Viele Beispiele aus der
jüngsten Vergangenheit zeigen, dass in vielen Teilen
der Erde Politik vor
allem durch wirtschaftliche Interessen gesteuert wird.
Ist dies der richtige
Weg?
Sicher nicht. Das zeigen doch die Ergebnisse dieser an Profit
orientierten Handlungsweise nur zu deutlich. Armut, Hunger und Kriege
nehmen weltweit zu.
Täglich sterben mindestens 50 Tausend Kinder an Hunger und längst
heilbaren Krankheiten. Ein Bruchteil der weltweiten Ausgaben für
Rüstung würde genügen, diese Zustände wirksam zu bekämpfen.
4. Was macht Ihre Partei besser als die derzeitige
Bundesregierung?
Alles.
5. Glauben Sie, die Situation in Deutschland in
Hinblick auf die hohe
Arbeitslosigkeit wird sich nach der Wahl am
22.September ändern? (bitte mit
Begründung)
Nein. Alle bisherigen Rezepte kurieren an Symptomen herum, anstatt die
Gründe für die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Es gibt tatsächlich
weniger Erwerbsarbeitsplätze, denn es ist weniger menschliche Arbeit
nötig, um die Menschen mit Gütern und Leistungen zu versorgen. Die
Konsequenz müsste eine radikale Arbeitszeitverkürzung für alle sein,
bei vollem Lohnausgleich für untere und mittlere Einkommen, statt die
Gewinne in die Kassen der Reichen und Mächtigen zu spülen.
Außerdem: Gesellschaftlich notwendige Arbeit gibt es genug. Sie wird
im Erziehungs-, Pflege- und Versorgungsbereich kostenlos von Frauen
geleistet. Diese Arbeit muss professionalisiert und entsprechend
bezahlt werden. Damit würde sie übrigens auch für Männer
attraktiv.
6. Gibt es ein Land, dass sich Deutschland - in Sachen
Politik - als Vorbild
nehmen sollte? Wenn ja, welches?
Es gibt in Schweden mehrere gute Ansätze, die Geschlechtertrennung auf
dem Arbeitsmarkt zu überwinden: Der/die besser verdienende PartnerIn
z.B nimmt Erziehungsurlaub bei vollem Lohnausgleich. Schweden
kriminalisiert inzwischen die Freier und nicht mehr die Prostituierten.
Kinderbetreuung und Schule orientieren sich am Wohl und an den
Bedürfnissen der Kinder und Eltern und sind weitgehend frei von
Leistungs- und Konkurrenzdruck. Mit welchem Erfolg beweist die
PISA-Studie!
Sicher ist auch Schweden noch weit davon entfernt, so frauenbezogene
Politik zu machen wie wir das wollen, aber immerhin.
7. Gibt es einen Grundsatz Ihrer Partei, der dem
Parteiprogramm zugrunde
gelegt wurde? Wenn ja, wie lautet dieser? (in 3-4
Sätzen)
Wir setzen uns ein für eine herrschaftsfreie Welt ohne Gewalt,
Ausbeutung und Unterdrückung. Jede Person soll das Recht auf
Selbstbestimmung in Bezug auf Sexualität, Schwangerschaft und die Wahl
ihrer Lebensweise haben. Wir wollen weder auf Kosten anderer Völker
noch um den Preis einer zerstörten Natur leben. Wir wollen ein
existenzsicherndes Einkommen für jede Person.
8. In welcher Bevölkerungsgruppe sehen Sie Ihr größtes
Wählerpotential?
Bei den Frauen natürlich und hier bei den Nichtwählerinnen.
9. Im laufenden Wahlkampf haben sich Gerhard Schröder
und Edmund Stoiber in
einem ersten TV-Duell gemessen. Was halten Sie von
dieser - für Deutschland
neuen - Wahlkampfveranstaltung und was bringt sie dem
Wähler?
Für die Wählerin bringen solche "Hahnenkämpfe" höchstens die
Einsicht, dass sich weder bei Schröder noch Stoiber als Kanzler für
die Frauen viel ändern wird. Besonders erhellend ist doch, wie beide
über ihre Frauen sprachen: Politische Einflussnahme ihrer Frauen
wünschen beide nicht.
10. Da sich in der Parteienlandschaft immer wieder
gefährliche extreme
politische Lager bilden: welche im Moment bestehende
Partei sollte Ihrer
Meinung nach nie an der Regierungsgewalt in Deutschland
beteiligt werden?
Eine Partei, deren Ziele sich nicht an den Menschenrechten orientiert,
ist nicht tragbar. Und Menschenrechte sind auch Frauenrechte.
Diesbezüglich haben alle Parteien Nachholbedarf.