Nie wieder Krieg!
Es ist 60 Jahre her, dass die Deutschen Europa mit Krieg und Gewalt überzogen haben. Mehr als 50 Millionen Tote, ein Flüchtlingsheer, zerstörte Städte und Dörfer, Hunger und Elend waren das Ergebnis des
Größenwahns und der Weltherrschaftsträume der "Herrenrasse". "Nie wieder!", wurde geschworen, doch schon ein Jahrzehnt später wurde wieder aufgerüstet, dann nachgerüstet und als der eiserne
Vorhang fiel, wurde umgerüstet: Laut Verteidigungsminister Struck verteidigen deutsche Soldaten ihr Vaterland jetzt auch am Hindukusch! Deutschland gehört zu den Weltmeistern im Waffenexport und
unterstützt Kriege in aller Welt.
Mit dem EU-Verfassungsvertrag wird - nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit - die Militärmacht Europa etabliert, mit der weltweite Kampfeinsätze ermöglicht werden, sogar ohne die Kontrolle des
EU-Parlaments.
Militärmacht Europa:
Der EU-Verfassungsvertrag verpflichtet die Mitgliedstaaten zu kontinuierlicher Aufrüstung (Art. I-41 Abs.3). Entgegen der Völkerrechtslage enthält der
EU-Verfassungsvertrag kein Verbot der Herstellung, des Besitzes und des Einsatzes von Massenvernichtungsmitteln. Mit dem Euratom-Vertrag bleibt unter
dem Deckmantel der "friedlichen" Nutzung der Kernenergie die Möglichkeit zu einer gesamteuropäischen Nuklearmacht bestehen. Der
EU-Verfassungsvertrag ermöglicht weltweite Kampfeinsätze, ohne geografische Beschränkung, auch in Drittstaaten (Art. I-41 Abs.1 und Art. III-309 Abs.1).
Über EU-Militäreinsätze entscheidet nur der Ministerrat (Art. I-41 Abs.4, Art.III-295 Abs. 2 und Art. III-297 Abs.1). Das Mitspracherecht des
EU-Parlaments beschränkt sich auf "Unterrichtung" und "Anhörung" (Art. III-304 Abs.1).
Die Kontrolle etwaiger Einsatzbeschlüsse durch den Europäischen Gerichtshof ist ausgeschlossen (Art. III-376).
Durch die so genannte "ständige strukturierte Zusammenarbeit" (Art. I-41 Abs.6 und Art. I-44 Abs.1-4) soll ein militarisiertes Kerneuropa entstehen, dessen
Truppen auch zur "Bekämpfung des Terrorismus" (Art. III-309 Abs.1) eingesetzt werden können. Die Folge wird eine Vermengung von polizeilichem und
militärischem Handeln sein.
Der EU-Verfassungsvertrag ignoriert das Gewaltverbot der UN-Charta.
Das Recht auf Wehr- und Kriegsdienstverweigerung bleibt den Gesetzgebern der Mitgliedstaaten überlassen (Art. II-70 Abs.2): Es ist also
verfassungskonform, wenn Mitgliedstaaten dieses Recht nicht gewähren!
Mit den Bestimmungen des EU-Verfassungsvertrags wird die Militärmacht Europa aufgerüstet.
Krieg bricht nicht aus, er wird vorbereitet...
...und die Kriegsvorbereitungen laufen auf Hochtouren.
Um ein politisches System, das auf Ausbeutung und Unterdrückung, Rassismus und Sexismus beruht, dessen Ziel die rücksichtslose kapitalistische Globalisierung ist, durchzusetzen und aufrecht zu erhalten,
ist Krieg und Gewalt unerlässlich.
Rüstungsproduzenten und Waffenhändler im Verein mit multinationalen Konzernen sind die Gewinner, die Lasten des Krieges und die Folgen trägt die Zivilbevölkerung und hier in besonderem Maße die
Frauen.
Wo bewaffnete Soldaten Krieg führen oder "humanitäre Hilfe" leisten, sind
Frauenhandel, Zwangsprostitution, Vergewaltigung an der Tagesordnung. Männergewalt gegen Frauen und Kinder eskaliert, wenn die Krieger heimkehren.
Angeblich wird Krieg geführt, um den internationalen Terrorismus zu bekämpfen, Gerechtigkeit, Frieden, Demokratie zu verwirklichen, die Menschenrechte zu verteidigen, das Leid und die Rechtlosigkeit
von Frauen zu beenden.
Wir Frauen in der Feministischen Partei DIE FRAUEN sagen:
Gerade die letzte Begründung ist heuchlerisch,
solange sexualisierte Gewalt, Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen im eigenen Land nicht entschlossen bekämpft und geächtet wird,
solange in bewaffneten Konflikten Gewalt gegen Frauen nahezu straffrei bleibt,
solange die Auswirkungen von Kriegen auf Frauen nicht entsprechend thematisiert und aufgearbeitet werden.
Frieden kann nur mit friedlichen, zivilen Mitteln verwirklicht werden.
Daher muss Krieg und Kriegsvorbereitung geächtet und durch internationale Gesetze verboten werden. Konflikte müssen mit
zivilen Mitteln gelöst bzw. vermieden werden, durch Verhandlungen, Interessensausgleich, Förderung der Zusammenarbeit und Gewaltprävention durch konsequente Erziehung zum Frieden.
Gerechtigkeit kann nur mit gerechten Mitteln erreicht werden.
50 Jahre lang wurden in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg Milliarden an Steuergeldern für Waffen in Männerfäusten verschleudert. Als gerechten Ausgleich fordern wir, die Feministische Partei DIE
FRAUEN die entsprechenden Geldsummen für lebensfördernde Arbeit in Frauenhänden.
Das zerstörerische Wirtschaftssystem muss abgelöst werden durch eines, das gesellschaftlich notwendige, nützliche Güter und Dienstleistungen produziert und jeder Person die Sicherung ihrer Existenz
gewährleistet.
Für 40 Milliarden $ pro Jahr, das sind 5% der internationalen Militärausgaben, können alle Menschen mit Wasser und Kläranlagen versorgt,
Gesundheitsbetreuung für Schwangerschaften und Geburten organisiert, die Grundversorgung in Nahrung und Gesundheit gewährleistet und die
Grundausbildung gesichert werden (Zahlen lt. UNDP).
Wir, die Feministische Partei DIE FRAUEN treten ein für eine Demokratisierung der UNO und deren Ausbau zum Weltparlament.
Dieses Weltparlament soll
alle Staaten und Völker vertreten, und zwar durch Männer und Frauen gemäß ihrem Anteil an der Weltbevölkerung. Diese Personen müssen den Kriegsdienst total verweigert haben,
gegen Krieg und Kriegsvorbereitung, Menschenrechtsverletzungen, innerstaatliche Gewalt, staatlich sanktionierte Repression und Gewalt gegen Frauen mit zivilen Mitteln vorgehen,
friedensbildende Maßnahmen von Frauen unterstützen, statt Milliarden für Blauhelmeinsätze zu verschleudern.
(Anmerkung: Die sieben Blauhelm-Missionen in den 90er Jahren haben 200 Billionen $ (200 000 000 000 000 $) gekostet! (Studie der UNIFEM in EMMA Nr. 2, 2003,
S. 38).)