Der Leitgedanke der Politik der feministischen Partei DIE FRAUEN ist das Prinzip der gleichwertigen Vielfalt, das Unterdrückung ausschließt. Elemente der gleichwertigen Vielfalt sind u.a.
das gleichwertige Mit- und Nebeneinander aller menschlichen Lebensweisen, unabhängig
vom Geschlecht, Alter, Ethnie und Religionszugehörigkeit. Ausdrücklich ausgenommen ist
eine falsch verstandene Toleranz, die unter dem Deckmantel des Respekts vor einer anderen
Kultur menschenverachtende Praktiken wie z.B. Genitalverstümmelung oder die Verschleierung von Frauen rechtfertigt.
Feminismus ist ein eigenständiges Denk- und Handlungssystem, das die Zielrichtung hat, das Leben auf der Erde gerecht und menschenwürdig zu gestalten. Ohne Feminismus ist keine friedliche Zivilisation möglich. Wir leben heute in einer patriarchalen Welt voller Kriege, Umweltzerstörung und Gewalt. Wesentliche Stützpfeiler dieser Gesellschaftsordnung sind die Kontrolle über die Sexualität -insbesondere der Frauen- und die systematische Organisierung von Gewalt durch Aufrüstung und Kriege, sowie das Prinzip der Ungleichheit, auch "Kapitalismus" oder "Neoliberalismus" genannt. Es äußert sich in Konkurrenz, Gewalt und Ausbeutung. Ausbeutung kann es nur geben, wenn es ein Oben und Unten, Sieger und Besiegte, Reiche und Arme. sog. "entwickelte" und "unterentwickelte" Länder, Gebildete und Unwissende, Wertvolles und Wertloses, bezahlte und unbezahlte Arbeit und die Bevorzugung der Ökonomie vor der Ökologie gibt. Diese Erkenntnis beinhaltet zwingend die Abkehr vom patriarchalen Denksystem und den entsprechenden gesellschaftlichen Strukturen.
Im Feminismus gibt es im Vergleich zum Patriarchat einen Wandel der Werte: Im Mittelpunkt steht die Lebensqualität alles Lebendigen. Statt zynischer Konzepte wie Konkurrenz und Ausbeutung setzen wir auf Kooperation und gerechte Teilhabe. Dem pyramidenförmigen, hierarchischen Aufbau der Gesellschaft setzen wir den Kreis oder die Spirale als Modell
gegenüber, die Gleichwertigkeit und zyklisches Denken als wesentliche Elemente beinhaltet.
Hingegen sind Konzepte, die ausschließlich auf Gender Mainstreaming setzen, kontraproduktiv, weil sie das patriarchale System eher stabilisieren als auflösen. Die Umwandlung des Patriarchats in eine Gesellschaft der Balance kann nur mit einer strikten Berücksichtigung der Quote- entsprechend des Bevölkerungsanteils- mit feministischen Konzepten begonnen werden.
Wir wissen, dass die Verwirklichung unserer Vision einer gerechten Gesellschaft nicht kurzfristig zu erreichen ist. Deshalb müssen wir heute schon damit beginnen.
Grundlage unseres Programms ist jene Frauenbezogenheit, die die italienischen Feministinnen als Affidamento bezeichnen, dessen Herzstück Gefühle der Verbundenheit und Dankbarkeit, der Verantwortung und Loyalität sind. Es handelt sich hierbei um eine Beziehungsform, in der Frauen einander vertrauen und sich gegenseitig einen Zugang zur Welt, aber auch zu existenziellen Ressourcen verschaffen.
Das Affidamento ist eine Art geistigen und materiellen Mäzeninnentums; eine Theorie und Praxis des Füreinander-Daseins von Frauen und somit eine Beziehungsform, für die es im Patriarchat noch keinen Namen gibt, da sie dort unbekannt ist - genauer gesagt: unbekannt gemacht wurde. Sie ist dort nicht vorgesehen und hat daher auch noch keinen sozialen Raum. Folglich ist sie den wenigsten Frauen vertraut, jedoch unverzichtbar im konstruktiven Umgang miteinander wie auch in der Formulierung notwendiger politischer Forderungen.
Viele von uns leiden an den vielfältigen unsolidarischen Umgangsformen, die in Frauenzusammenhängen immer wieder zum Ausdruck kommen. Es handelt sich dabei um letztlich zerstörerische Tendenzen wie Neid, Missgunst, Dominanzverhalten, gegenseitige Abwertung, Passivität, Unverbindlichkeit und Schlamperei einiger Frauen, die die Arbeit aller gefährden. Diese Formen des Umgangs sind zum Einen eine Folge der Tatsache, dass wir frauenorientiertes Verhalten nicht von klein auf gelernt haben und resultieren zum Anderen daraus, dass wir aus der symbolischen Ordnung der Welt ausgeschlossen sind. Sprache, Kultur, Religion, verwendete Symbolik, kurz: alle geistigen und psycho-sozialen Ausdrucksformen sind männlich-patriarchal geprägt und das heißt: auf männliche Bedürfnisse hin zugeschnitten. So hatte unser Denken und Handeln nie einen eigenständigen Wert und wir lernten, es als bedeutungslos einzustufen. Weil Männer uns als Frauen nicht wirklich ernst nahmen, taten wir es auch nicht.
Ohne eine Theorie und Praxis des Affidamento ist eine tiefgreifende Emanzipation folglich nicht möglich. Wir erklären daher ihre Pflege zu einem integralen Bestandteil unserer Frauenpolitik und erkennen damit an, dass eine Frau für ihre Identität vor allem andere Frauen braucht, die ihr Heimat sind, bei der Existenzsicherung helfen sowie ihr Orientierung und Halt bieten. Nur auf der Grundlage des Affidamento lässt sich so ei-nes der grundlegendsten Probleme der Frauen lösen: Ihre existenzielle Abhängigkeit vom Mann, aus der ihm eine Macht erwächst, die weder ihm, noch ihr, noch den Kindern oder der Natur gut tut.
Wir verhindern mit Hilfe des Affidamento,