das Buch zur Tagung!
Natürlich hatten wir gehofft, dass es so kommen würde, und dann wurde es im
Gerhart-Hauptmann-Haus am 13. April tatsächlich ein bisschen eng. Etwa 120 Frauen
und zwei Männer waren gekommen, um die insgesamt 12 Referentinnen zu erleben.
Zwei weitere (Irina Besic und Kornelia Schönfeld aus Kroatien) waren angekündigt,
konnten aber leider nicht kommen. Die Stimmung war gut, es gab angeregten
Austausch in den Pausen sowie lebhafte Diskussionen in harmonischem Miteinander.
Im folgenden gebe ich die wichtigsten Aussagen der Vorträge wieder. In voller
Länge sind sie, so Göttin will, zum Jahresende in Buchform nachzulesen.
Herausgeberin wird Britta Zangen sein. Sie hat auch, unterstützt durch Sigrid
Beyer, weitere Düsseldorfer Mitfrauen und mich, die Hauptlast der Organisation
getragen. Alles klappte von morgens bis zum abendlichen Ausklang wie am
Schnürchen. Der Dank der Teilnehmerinnen gilt auch dem LMV NRW, der die Tagung
großzügig finanziell unterstützte!
Den Anfang machte der Themenkomplex "Politische Alternativen aus Frauensicht".
Beate Gonitzki aus Hannover stellte die Vorteile von "Selbstorganisation und
Netzwerken" vor und untermauerte sie am Beispiel der "Frauenuniversität als
Projekt zur Expo 2000". Christa Mulack, mittlerweile Autorin von elf Büchern,
hatte einen humorvollen Beitrag angekündigt und löste ihr Versprechen ein. Sie
beschrieb ihre Utopien aus Politik, Religion und Gesellschaft so, als wären sie
bereits eingetreten. Viel Heiterkeit rief ihre Definition des "Muttersohns" als
"matriarchalem Hardliner" hervor. Kontovers diskutiert wurde ihre religiöse
Utopie, in der die Frauen die großen Kirchen erst unterwandern, um sie
anschließend abzuschaffen.
Das zweite Motto "Das Private ist politisch" zog sich auch als roter Faden durch
die Ausführungen von Viresha J. Bloemeke und Helen Maja Heinemann. Sie befassen
sich mit Frauengesundheit in Wandelzeiten. Großen Beifall ernteten ihre
Vorschläge für mehr Freiräume, namentlich als Frauenräume, und eine verbesserte
Wertschätzung weiblicher Fähigkeiten. Die nächste Referentin enttäuschte unsere
Hoffnungen auf eine bessere Zukunft: Elisabeth Trube-Becker, war als Professorin
für Rechtsmedizin in ihrem Berufsalltag mit den Opfern häuslicher Gewalt
konfrontiert und fand das Ende dieser Gewalt zu utopisch. Fachfrauen aus dem
Publikum widersprachen ihr heftig und wiesen auf die Fortschritte der letzten
Jahre hin. Bei Monika Bunte vom Verband der Familienfrauen und -männer gab es
große Übereinstimmung mit unserem Parteiprogramm. Sie definierte in unserem Sinne
den Begriff "Arbeit" und plädierte, wie wir, für die Wahlfreiheit von Frauen.
Die "Weibliche (Gegen)Kultur" einer egalitären Gesellschaft entwarf nach der
Mittagspause Heide Göttner-Abendroth. Hierfür ist es besonders wichtig, eine
Verbindung von Spiritualität und Politik in der Gesellschaft zu erreichen. Auf
der Basis dieser spirituell-geistigen Übereinstimmungen können sich
"Wahlverwandtschaften" und Netzwerke bilden. Diese sind regional begrenzt, da
sonst nicht organisierbar. Dieser Aspekt sowie die Subsistenzperspektive weisen
große Übereinstimmung mit unserem Wirtschaftsprogramm auf.
Die Pianistin Susanne Geiger plädierte für die Förderung von Mädchen zu mehr
Kreativität und Phantasie durch musische Fächer und auch für die Würdigung
weiblichen Musikschaffens (Komponistinnen / Performancekünstlerinnen). Sabine
Lichtenfels erinnerte an die Überschaubarkeit früherer Gemeinschaften, in denen
die Ehe jedoch kein Ghetto darstellte, forderte Umweltschutz und Inweltschutz und
eine Globalisierung der Friedenskräfte.
Der Themenkomplex Frauen in der Gesellschaft beendete die Utopietagung. Heide
Happel, Fachfrau für IT und Neue Medien, unterstrich, dass sich das Interesse von
Frauen für die modernen Technologien nur über die Themenwahl wecken lässt.
Insbesondere Projekte, die mit Kreativität zu tun haben, kommen gut an. Doris
Reich, Dipl.Ingenieurin der Raumplanung und Stadtplanerin, eröffnete ihren
Vortrag mit Beispielen früherer Utopien. Auch heutzutage können nur
einflussreiche Frauen Projekte ermöglichen, wie z.B. in Hamburg "Die Stadt der
Frauen". Dabei war die Ministerin für Stadtentwicklung gleichzeitig für die
Gleichstellung zuständig.
Christine Baur aus Tirol schlug am Ende der Tagung mit ihren Ideen zu den
"sozialen Netzen, die keine durchfallen" lassen den Bogen zu anderen
Referentinnen (u.a. Gonitzki: Selbstorganisation und Netzwerke,
Göttner-Abendroth: Wahlverwandtschaften, Mulack: weibliche Loyalität,
Bloemeke-Heinemann: Wandelzeiten). Ihre Utopie: Durch Beziehungen, Konsens,
Teilhabe und Teilgabe entsprechend ihrer Lebenssituation erhält jede soviel, wie
sie braucht. Damit entwirft sie auch eine ganz praktische Seite unseres Begriffes
der Beziehungsgesellschaft.
Das ist insgesamt die Aufgabe, die uns Parteifrauen nun zu tun bleibt: die
vorgestellten Utopien ins Parteiprogramm integrieren. Das heißt, ergänzen oder
präzisieren, wo noch etwas fehlt bzw. neue Ideen aufnehmen. Interessante Ansätze
versprechen hier die AG "Feministische Ethik und Kultur" und die AG "Demokratie".
Noch ein Wort zum Abend bei Britta: leckeres Büffet, viele anregende Gespräche,
auch mit einigen der Referentinnen, Bayerinnen tranken zum ersten Mal in ihrem
Leben Alt-Bier, alle anwesenden Frauen verbringen ihren nächsten Urlaub auf dem
Beginenhof in Thüringen und schreiben anschließend ein Buch über die
Beginenbewegung (einzeln / alle zusammen?)...